Ein Leben mit Trompete und Jazz

(Quelle: Trierischer Volksfreund 19.11.97, Kreller)

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Die Seele der Trierer Jazzszene
Eine kleine silberne Trompete steckt in seinem linken Ohrläppchen. Die Stunden auf seiner Armbanduhr läßt er sich von einer goldenen Trompete anzeigen. Selbst im Urlaub sucht er sich jeden Tag eine kleine verlassene Bucht zum Spielen: Helmut "Daisy" Becker kann ohne Trompete einfach nicht leben.

Dabei hat Becker - wie es sich eben so gehört - nach der Schule zunächst eine Ausbildung als Maschinenschlosser absolviert. Danach fuhr er einige Zeit Bierautos und später eine Walze bei den Straßenbauern. "Irgendwann hab' ich dann gesagt: So, jetzt ist Schluß damit." Und dann war auch Schluß.

Doch der Strich unter das "normale" Arbeitsleben war gleichzeitig der Beginn eines neuen Abschnittes, der vor allem der Musik gewidmet ist. Helmut Becker wagte den Schritt zum Profimusiker und hat diesen bis heute nicht bereut: Der 44jährige spielt mit seiner Tanzband in ganz Deutschland auf Galas oder Betriebsfesten. Er bläst mit der Dixie-Band "Swingtime" auf Frühschoppen und Stadtfesten. Außerdem leitet er die Dozentenband des regionalen Workshops des Trierer Jazzclubs

Spontane Projekte und Aushilfseinsätze kommen noch dazu. "Ich sehe mich als eine Art Mittelsmann zwischen dem Vorstand des Jazzclubs Trier und der Musikerriege", beschreibt Becker seinen Wirkungskreis. Andere sehen in ihm viel mehr. "Helmut Becker ist die Seele und das Rückgrat der Trierer Jazzszene", sagt zum Beispiel der Vorsitzende des Jazzclubs, Thomas Schmitt, "eine richtige Integrationsfigur und ein Urtyp aus der Region".

Becker sei ein ausgezeichneter Trompeter, der sehr reife Chorusse spiele, so Schmitt weiter, der auch die unkomplizierte und sympathische Art des Musikers lobt. Ein Beweis dafür seien mehrere Einladungen seiner französischen Kollegen zu Gastauftritten nach Metz und Nancy. Dabei hat Helmut Becker keine typische Musikausbildung. Das meiste hat er sich selbst beigebracht. Er begann zwar mit zwölf Jahren im Musikverein seines Heimatdorfes Reinsfeld zu trompeten, kennt daher die Einsätze an Kriegerdenkmälern am Volkstrauertag. Aus der Zeit im Musikverein stammt auch noch der bekannte Spitzname "Daisy". Mit Jazz hat Becker allerdings erst relativ spät - im Alter von 28 Jahren - angefangen. Doch schon sechs Jahre später, 1987, zeichnete ihn das Jazzclub Trier mit dem Förderpreis aus. Er komponiert selbst und schreibt Arrangements. Doch das Besondere an dem Reinsfelder ist: Becker behält sein Wissen nicht für sich. Der Vollblutmusiker unterrichtet an den Kreismusikschulen in Trier und Wittlich sowie privat. Hoffnungensvolle Schüler nimmt er einfach mit zu den regelmäßigen "Jazz-Sessions" des Jazzclubs.

"Spiel einfach", sagt er den Nachwuchsmusikern, doch genau das sei für viele die entscheidende Hürde, meint Becker. Nicht zuletzt durch seine Unterrichtsstunden stößt der Mann mit dem langen silbergrauen Zopf auf Talente, die er spontan mit auf die Bühne schleppt. "Helmut Becker hat sich sehr um den Nachwuchs in der Region verdient gemacht", kann Thomas Schmitt nur bestätigen. Nur weinige mit diesem Format hätten Gedult, mit relativ unerfahrenen Musikern zu spielen.

Die von Becker organisierten "Sessions" steigen jeden letzten Donnerstag im Monat in der Tuchfabrik in Trier. In der dortigen Kneipe, dem Textorium, ranken sich nicht wenige Anekdoten um den Stammgast Becker, die mehr oder weniger mit den Auftritten zu tun haben.

 

 

 

 

 

 es folgt noch mehr!

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